Shanghai Underground

Posted by chris on Oct 27, 2009 in NEWS |

In Kunshan warteten wir erst mal über vier Stunden auf unseren Zug nach Shanghai. Als er dann endlich da war verstauten wir unser Gepäck – und waren in diesem Moment auch schon in Shanghai angelangt. Der Zug beschleunigte in kürzester Zeit auf 210km/h und brauste so raketenmässig in ca. 15min an unser Ziel. Dort erwischten wir natürlich den perfekten Zeitpunkt um in die Rush-Hour zu kommen und verbrachten darum wieder sehr viel unserer wertvollen Zeit in der Taxiwarteschlange. Einige unserer Chinesischen Freunde boten uns darum bereits ganz hinten  in der Schlange Busse und Taxis zu Preisen an die ein Erstankömmling wohl kaum hätte abschlagen können. Wir als alte Shanghaier Hasen taten dies natürlich mit einem Lächeln auf den Stockzähnen und nutzten die Zeit für ein weiteres Interview mit Toxic.fm live @ the Taxi-Lane.

Live @ Taxi-Lane

Die „Live Bar“, der Club in dem wir am Freitagabend spielten, ist DER Underground-Club Shanghais schlechthin. Bereits der Weg dahin war mehr als abenteuerlich. Mit dem Taxi quer durch Strassen voll Marktstände, durch unbewohnte Quartiere weit zur Stadt hinaus ins Industriegebiet. Bereits zum Empfang kläffte uns von weitem ein „häuslicher“ Strassenköter aus dem Klubeingang entgegen, der sich dann aus der Nähe aber als nicht ganz so gefährlich erwies.

Da das eine Taxi auf dem Weg zum Klub einen der Marktstände rammte und natürlich diskutiert werden musste wer nun die zerquetschten Gemüse und Gemüseschalen bezahlen soll, verspätete sich die Ankunft einiger unserer Mitmusiker ein wenig. Zu spät zum Soundcheck angekommen liessen wir uns für ebensolchen unsere Zeit und erfuhren leider erst nachdem wir endlich zufrieden waren, dass noch eine lokale Punkband und eine „arty-indie-rock-prog-pop Group“ an diesem Abend spielen werden und auch noch gerne checken wollten. Naja, die Jungs nahmen es uns jedenfalls nicht übel und aus unserem Gig war per excusé ein Minifestival geworden. Da hatten wir eigentlich auch nichts dagegen, denn a) Musiker kennenlernen ist immer interessant und b)drei so unterschiedliche Bands = dreimal grösseres Zielpublikum. So war es dann auch, die Bands boten ein abwechslungsreiches Programm, das Publikum war zahlreich und sehr durchmischt aber sehr stimmgewaltig und sich in einem Punkte einig: das Kommen hatte sich gelohnt.

Eigentlich wollten an diesem Abend ja alle mal wieder nach dem Konzert etwas früher zu Bett gehen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Schlussendlich streckten die letzten ihren Kopf am nächsten Tag erst eine halbe Stunde vor dem Soundcheck für den Gig das erste Mal aus dem Hotelzimmer…

 Also gings mit verschlafenen Augen in die „Live Sound Garage“, den Schwesterklub der „Live Bar“ vom Abend zuvor. Die ist zwar absolut zentral gelegen, was aber das Finden nicht unbedingt einfacher macht. Ist man an der Adresse angelangt, geht’s erstmal durch eine dunkle Einfahrt in einen Hinterhof, an zwei KungFu Schulen vorbei, links in einen neonlichtbeleuchteten Gang, ein paarmal um die Ecke, durch einen Blumenladen und den hinteren Teil eines Coiffeursalons in eine ehemalige Garage. Abenteuerlicherweise stand da eine absolut amtliche Soundanlage und ein Techniker, welcher etwas von seiner Arbeit verstand und uns zum Abschluss unserer Chinareise einen tiptoppen Bühnensound hinzauberte. So macht das Spielen Spass und der Gig war wohl musikalisch einer der besten auf unserer Tour, tight wie wenn wir eine zweimonatige Tour gespielt hätten und mit solistischen Höhenflügen vom allerfeinsten. Schön war auch zu sehen, dass wir uns in Shanghai bereits ein kleines aber feines Stammpublikum erspielt haben. So waren Leute da, welche uns an der Aftershow des Jz Festivals gehört hatten wie auch Besucher des Konzerts in der Live Bar vom Abend zuvor.

Ein schöner Abschluss also, jetzt heissts packen und ab auf die Heimreise, die sich über vier Tage, vier Länder und knapp 30 Flugstunden hinziehen wird. Genug Zeit also um sich auszuruhen für die Welcome Back Party am nächsten Donnerstag, 29. Oktober, an welcher wir Euch alle gerne im Baracca in St.Gallen begrüssen würden…

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