KL Power
Nach einer weiteren Nacht im Schlafcouché kamen wir morgens um fünf mehr oder weniger ausgeruht in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur an. Da wir immer noch die Schreckensmeldung vom Vortag in den Köpfen hatten ging so manches Stossgebet in den Himmel wenn mal wieder ein derart holpriger Streckenabschnitt anstand, dass es einen fast aus dem Bett geworfen hätte. „Der Kluge reist im Zuge“… doch angenehmer vergeht die Zeit im Fluge, lautet unser neues Credo und darum wird ab jetzt auf unserer Tour nur noch geflogen.
Das Hotelzimmer in Kuala Lumpur konnten wir natürlich erst um zwei Uhr nachmittags beziehen. Ein guter Grund die obligatorische Sightseeing-Tour bereits am Morgen zu absolvieren. Darum ging‘s nach einem ausgiebigen Frühstück beim Inder direkt zu den Petronas-Twin-Towers und dann gleich weiter auf den KL-Tower, wo man einen wunderbaren Blick auf die ganze Stadt mit all ihren riesigen Gartenanlagen, den eher heruntergekommenen Marktvierteln und den alles überragenden Hochhäusern geniessen kann. Nach X Kilometern zu Fuss, in einem der Taxis, die partout nicht mit Taxometer fahren wollten und uns so ständig etwa das Vierfache des eigentlichen Preises abnahmen, oder mit dem Skytrain durch die Gassen und Strassen KLs waren wir sehr froh als wir uns dann am Nachmittag endlich für ein paar Stunden aufs Ohr legen konnten um wieder Energie für das Nachtleben der 2 Mio. Metropole zu sammeln. Kuala Lumpur ist ein kultureller Schmelztiegel. Inder, Chinesen, Thai und natürlich Malay bilden eine multiethnische Gesellschaft. So war dann zu unserer Freude auch das kulinarische Angebot auf der Strasse riesig.

Am Donnerstag hatten wir die Ehre das „Backyard Pub – Jam Fest“ zu eröffnen. Der preisgekrönte Musicclub veranstaltet jedes Jahr ein mehrtägiges Festival an welchem lokale und internationale Musiker auftreten. Nur schon darum gilt das Backyard als „No. 1 Music Club in Kuala Lumpur“.
Der Soundcheck gestaltete sich leider ein wenig schwierig da das Monitorsystem sehr eigenwillig zu sein schien. Mal laut, dann wieder leise und mal kam auch gar kein Ton aus den Boxen. Und das obwohl niemand einen Regler am Mischpult bediente. Naja, wir versuchten es trotzdem.
Zwischen Soundcheck und Konzert waren wir beim 1st Secretary der Schweizer Botschaft in Kuala Lumpur zur Dinnerparty eingeladen. Wir wurden vorzüglich bekocht und konnten interessante Bekanntschaften mit den anwesenden Gästen machen. Mit vollem Bauch und gut gelaunt ging’s mit allen Anwesenden und chauffiert im Diplomatenwagen ins Backyard Pub.

Der Klub war voll und wir rockten bis 1h in die Nacht. Da unsere Performance im proppenvollen Club derart Anklang fand, dass fast jeder eine CD kaufen wollte, sind wir bereits vor unserem Trip nach Singapore und Shanghai ausgeschossen. 200 CDs in Australien und Asien an Konzerten zu verkaufen hätten wir ehrlich gesagt nicht erwartet. Das heisst wohl ab in den nächsten CD-Copy-Shop in Singapore oder Shanghai.
Es wurde mal wieder ca. 3h bis wir schliesslich ins Hotel zurück kamen. Angesichts der Tatsache, dass wir bereits um 6h morgens auschecken mussten um den Flieger nach Singapur zu erwischen, ein Graus. Aber so ist das eben. Tourleben bedeutet nicht dasselbe wie Ferienmachen.
Mit der Billigfluglinie „AirAsia“, von welcher sich EasyJet eine dicke Scheibe abschneiden könnte, ging’s in 50 Minuten nach Singapur wo wir auch gleich von Ben, unserem Tourmanager in Singapur, abgeholt wurden. Obwohl wir nur gerade drei Stunden Schlaf hatten war noch lange nicht Zeit um sich hinzulegen. Simon und Chris konnten gerade mal im Hotel einchecken um sich gleich auf den Weg zum „Singapur Media Center“ zu machen. Es stand ein Interview mit dem englischsprachigen Sender „938 live“ an. Interview gemacht, zurück ins Hotel, Instrumente einpacken und ab zum Soundcheck für den Gig im am Vorabend neu eröffneten „Timbre Mobile“. Dass der Veranstalter uns kurzfristig an ein „Oktoberfest“ umbuchte machte uns zu Beginn ein wenig sauer. Denn wenn wir schon mal auf der anderen Seite der Erde sind kann die OLMA zu Hause bleiben und das Oktoberfest sowieso! Wir wurden also blitzartig in unsere gewohnte Umgebung zurückgeschleudert. Doch als wir dann die hübschen Asiatinnen im Original bayrischen Dirndl sahen war alles wieder vergeben und vergessen. Wenn man sich die blauweissen Erdinger-Fähnchen wegdachte ging’s dann auch. Denn der Club ist OpenAir und direkt am Strand. Also dann: „Aloha – Ozapft is.“

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