Das Jahr 2009 hat STARCH mit einem grandiosen Konzert in ihrer Homebase, der Eintracht in Kirchberg SG, verabschiedet und fliegt nun mit voller Schubkraft ins 2010!
So manch ein Abenteuer wartet in diesem Jahr auf die Crew des “Starch-Ships”, und das Erste steht bereits in zwei Wochen an:
Am Samstag 16.01.2010 wird das Moods in Zürich gerockt, aufdass jeder Sponsorenquadratmeter zu beben beginne!
Nach zwei Monaten auf Tour, 62 Stunden im Flugzeug, 1531km auf Schienen, 3747km im Bus,4km auf der Fähre, 109 Taxifahrten, wovon auf einer Fahrt der Taxifahrer an einer Platzwunde und ca. 36mal wir an einem Herzinfarkt beinahe gestorben wären, nach 25 Shows in sechzehn Städten auf zwei Kontinenten, 17 geborstenen Schlagzeugsticks, 7164 gerauchten Zigaretten, 287 verkauften CDs, zwei Segelturns mit drei gesichteten Schildkröten und einem Hai, einem Skydive aus 4200m Höhe und 11 Tuben Zahnpasta fällt es nicht gerade leicht, sich auch noch mit einem Temperaturunterschied von 20 Grad abzufinden und sich wieder an die heimischen Sitten und Gepflogenheiten unseres schönen Landes anzupassen. Dieser Umstand veranlasste unseren Trompeter gleich dazu, die Koffer gar nicht erst auszupacken sondern ins nächste Flugzeug nach Botswana zu steigen, um noch einen Monat mit den Elefanten und Antilopen rumzutollen. Wir daheimgebliebenen erfreuen uns an den Facetten der“ gemeinen Klimaanlagen- und Temperaturschockerkältung“ und planen bereits wieder neue Abenteuer in fernen Ländern.
Zuerst aber möchten wir uns für die zahlreichen positiven Feedbacks unserer treuen Blogleser und -leserinnen bedanken. Vielen Dank für Euer Interesse – hope to see you soon…
Für die letzte Show in diesem Jahr zieht es uns dahin wo vor 13 Jahren alles begann. In die Eintracht in Kirchberg SG. Und zwar am 26. Dezember.
In Kunshan warteten wir erst mal über vier Stunden auf unseren Zug nach Shanghai. Als er dann endlich da war verstauten wir unser Gepäck – und waren in diesem Moment auch schon in Shanghai angelangt. Der Zug beschleunigte in kürzester Zeit auf 210km/h und brauste so raketenmässig in ca. 15min an unser Ziel. Dort erwischten wir natürlich den perfekten Zeitpunkt um in die Rush-Hour zu kommen und verbrachten darum wieder sehr viel unserer wertvollen Zeit in der Taxiwarteschlange. Einige unserer Chinesischen Freunde boten uns darum bereits ganz hinten in der Schlange Busse und Taxis zu Preisen an die ein Erstankömmling wohl kaum hätte abschlagen können. Wir als alte Shanghaier Hasen taten dies natürlich mit einem Lächeln auf den Stockzähnen und nutzten die Zeit für ein weiteres Interview mit Toxic.fm live @ the Taxi-Lane.
Die „Live Bar“, der Club in dem wir am Freitagabend spielten, ist DER Underground-Club Shanghais schlechthin. Bereits der Weg dahin war mehr als abenteuerlich. Mit dem Taxi quer durch Strassen voll Marktstände, durch unbewohnte Quartiere weit zur Stadt hinaus ins Industriegebiet. Bereits zum Empfang kläffte uns von weitem ein „häuslicher“ Strassenköter aus dem Klubeingang entgegen, der sich dann aus der Nähe aber als nicht ganz so gefährlich erwies.
Da das eine Taxi auf dem Weg zum Klub einen der Marktstände rammte und natürlich diskutiert werden musste wer nun die zerquetschten Gemüse und Gemüseschalen bezahlen soll, verspätete sich die Ankunft einiger unserer Mitmusiker ein wenig. Zu spät zum Soundcheck angekommen liessen wir uns für ebensolchen unsere Zeit und erfuhren leider erst nachdem wir endlich zufrieden waren, dass noch eine lokale Punkband und eine „arty-indie-rock-prog-pop Group“ an diesem Abend spielen werden und auch noch gerne checken wollten. Naja, die Jungs nahmen es uns jedenfalls nicht übel und aus unserem Gig war per excusé ein Minifestival geworden. Da hatten wir eigentlich auch nichts dagegen, denn a) Musiker kennenlernen ist immer interessant und b)drei so unterschiedliche Bands = dreimal grösseres Zielpublikum. So war es dann auch, die Bands boten ein abwechslungsreiches Programm, das Publikum war zahlreich und sehr durchmischt aber sehr stimmgewaltig und sich in einem Punkte einig: das Kommen hatte sich gelohnt.
Eigentlich wollten an diesem Abend ja alle mal wieder nach dem Konzert etwas früher zu Bett gehen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Schlussendlich streckten die letzten ihren Kopf am nächsten Tag erst eine halbe Stunde vor dem Soundcheck für den Gig das erste Mal aus dem Hotelzimmer…
Also gings mit verschlafenen Augen in die „Live Sound Garage“, den Schwesterklub der „Live Bar“ vom Abend zuvor. Die ist zwar absolut zentral gelegen, was aber das Finden nicht unbedingt einfacher macht. Ist man an der Adresse angelangt, geht’s erstmal durch eine dunkle Einfahrt in einen Hinterhof, an zwei KungFu Schulen vorbei, links in einen neonlichtbeleuchteten Gang, ein paarmal um die Ecke, durch einen Blumenladen und den hinteren Teil eines Coiffeursalons in eine ehemalige Garage. Abenteuerlicherweise stand da eine absolut amtliche Soundanlage und ein Techniker, welcher etwas von seiner Arbeit verstand und uns zum Abschluss unserer Chinareise einen tiptoppen Bühnensound hinzauberte. So macht das Spielen Spass und der Gig war wohl musikalisch einer der besten auf unserer Tour, tight wie wenn wir eine zweimonatige Tour gespielt hätten und mit solistischen Höhenflügen vom allerfeinsten. Schön war auch zu sehen, dass wir uns in Shanghai bereits ein kleines aber feines Stammpublikum erspielt haben. So waren Leute da, welche uns an der Aftershow des Jz Festivals gehört hatten wie auch Besucher des Konzerts in der Live Bar vom Abend zuvor.
Ein schöner Abschluss also, jetzt heissts packen und ab auf die Heimreise, die sich über vier Tage, vier Länder und knapp 30 Flugstunden hinziehen wird. Genug Zeit also um sich auszuruhen für die Welcome Back Party am nächsten Donnerstag, 29. Oktober, an welcher wir Euch alle gerne im Baracca in St.Gallen begrüssen würden…
Mit dem Zug ging’s heute nach Hangzhou, zwei Stunden von Shanghai entfernt, wo das zweite Chinakonzert auf dem Programm stand. Auch im Zug waren wir die Attraktion Nummer eins. Doch mittlerweile sind wir es uns gewohnt begafft zu werden als wären wir gerade aus dem Zoo ausgebrochen. Die Elvetinorailbar wie wir sie uns aus der Schweiz gewohnt sind, könnte in China noch Nachhollektionen besuchen. Neben frischen Früchten, Hühnerkrallen im Vakuumbeutel und heissen Suppen gab’s Spielzeug und allerlei Ramsch zu kaufen. Natürlich verstanden wir wieder mal kein Wort und kauften Dinge die wir nicht gebrauchen können, da wir auch von der Bedienungsanleitung nur die Bildchen kapieren.
Hangzhou gilt mit nur gerade etwas mehr als einer Million Einwohnern als Kleinstadt und so fanden wir uns von Beginn weg super zurecht, obwohl hier gar nichts mehr englisch angeschrieben ist geschweige denn irgendjemand ein Wort englisch spricht.
Das Konzert im 789 Club war sehr gut besucht und das erste durchgehend authentisch chinesische Publikum scheint die Starchmusik auch zu mögen. Einzelne begeisterte Klubbesucher wollten sogar selber Teil unserer Show werden und stürmten die Bühne um sich in Szene zu setzen. Andere Länder, andere Sitten, jedenfalls war einiges los und unsere nachproduzierten CD’s gingen weg wie warme Weggli. Der Klubbesitzer höchstpersönlich verscherbelte die Alben in bester Marktverkäufermanier in der Pause zwischen den Sets. Auch der Rest unseres Merchandising Setups schlug ein wie eine Bombe – die Herren und Damen Chinesen klebten sich unsere Sticker gleich auf den ganzen Körper.
Der Veranstalter gestaltete das Plakat für unseren Konzertabend mit einigen Highlights der Bilder aus unserem Blog. Irgendwie ein abgefahrenes aber kein schlechtes Gefühl, wenn vor ein paar Wochen auf einem anderen Kontinent geschossene Fotos in einer chinesischen Grossstadt zur Werbung aushängen… Allerdings wusste man dann nicht mehr so genau, ob es sich bei unserer Veranstaltung um einen Jogakurs, eine Werbung für einen Windkanal oder eine Kaffefahrt zu den Cowboys handelt.
Nach unserem Konzert gab’s noch eine ausgedehnte Karaokesession an welcher sich mehr oder weniger alle Klubbesucher aktiv beteiligten, inklusive einiger Exponenten unserer Reisegruppe, was bei den Einen nicht die allerbeste Idee war.
Wie auch immer, am Mittwoch ging’s dann jedenfalls mit dem Bus nach Kunshan, wo ein Konzert im „Whales Rock Club“ anstand. Hier genossen einige von uns eine weitere abenteuerliche Taxifahrt. Beim Einladen unseres monströsen Reisegepäcks in den Kofferraum hatte sich der Chauffeur seinen Kopf am Kofferraumdeckel gestossen. Soweit, so gut, es schien alles in Ordnung zu sein, bis uns nach einigen hundert Metern Fahrt auffiel, dass dem Fahrer Sturzbäche von Blut über das Gesicht liefen und sein schönes weisses Hemd aussah wie nach einem Besuch von Hannibal Lector persönlich. Er schien selber auch ziemlich überrascht zu sein, fuhr aber knallhart weiter. Die Blutung stoppte dann auch wieder. Richtig wohl wurde uns aber ab dieser Szenerie nicht mehr. Besonders als wir beim Klub ankamen und der gleich neben einer Polizeistation gelegen war. Der Taxifahrer hatte sich jedenfalls schneller erholt als wir und lehnte sämtliche Hilfeangebote vom Wasser über Tüchlein bis zum frischen T-Shirt ab.
Der Whales Rock Club präsentierte sich dann in tiptoppem Zustand. Dashu, der Klubbesitzer dieses schicken Ladens, hat sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung von Kunshan zur Livemusik zu erziehen. Er unterhält die zwei einzigen Bühnen der Stadt auf welchen Original Music gespielt wird – überall sonst gibt’s nur Covers oder Konserve zu geniessen. Wenn er seinen Enthusiasmus behalten kann blüht der Musikszene in Kunshan eine goldene Zukunft, er hat nämlich auch das schöne Hobby sich mit dem letzten Sackgeld das teuerste Equipment zu leisten. Zu unserer Freude spielten wir darum auf Ampeg und Marshall Amps der höchsten Güteklasse.
Ausserdem stellte Kunshan auch einen kulinarischen Höhepunkt unserer Chinareise dar. Vor dem Konzert wurde vom Klub dafür gesorgt, dass zuerst einmal unsere hungrigen Bäuche gestopft wurden. Wie in China üblich bestellt nicht jeder für sich selber, sondern es gibt etwa zwölf kleine Teller mit Essen darauf und jeder bedient sich von allen Platten. Von Vorteil ist hier, wenn ein Chinese die Bestellung macht. Dann gibt’s nämlich leckere Ente, wunderbares Sweet and Sour Pork, grossartiges Lamm mit Erdnüssen und nicht nur Hühnerköpfe, -beine, Kutteln, Frösche und anderes abartiges Getier.
Da zwei taiwanesische Klubbesucher unsere Perfomance im „Whales Rock Club“ den absoluten Hammer gefunden haben wurden wir nach dem Konzert gleich nochmals zum Essen eingeladen. Und zwar zum Fondue-Chinoise der Extraklasse. Die Basissuppe besteht aus einem ganzen gehackten Huhn… mit samt Kopf und Hühnerkrallen und war leckerer als es auf den ersten Blick aussieht.
Und hier noch ein Audio-Blog mit Toxic.fm. Aufgenommen in der Warteschlange vor dem Taxistand…
In der 14 Mio. Stadt Shanghai gelandet hatten wir erst einmal das Glück einen Taxifahrer zu erwischen der definitiv zu viele Action Filme geschaut hat. Wie ein Irrer raste er über die fünfspurige Autobahn. Mal rechts überholen, dann auf der Einfahrtspur und dann mal wieder auf dem Pannenstreifen. Da noch den Blinker zu betätigen wäre natürlich zu viel verlangt gewesen und darum liess er für die stündige Horrorfahrt gleich den Warnblinker an. Da wir aber anscheinend wirklich sieben Leben haben kamen wir gesund aber nicht mehr so munter im Hotel an.
Nach Sydney, Bangkok, Kuala Lumpur und Singapur stellt Shanghai jetzt eindeutig das Level 2 für den gemeinen europäischen Musikreisenden dar. Kommunikation ist relativ schwierig zu bewerkstelligen, da von den 1,3 Mia. Chinesen auf den ersten Blick geschätzte 17 der englischen Sprache mächtig sind. Man versuche also mal rauszufinden, ob das Hotel einen Wäscheservice anbietet (Resultat: man kriegt einen Bademantel ausgehändigt), wo der nächste Geldautomat ist (Resultat: man landet beim Hundesalon) oder einen Bus ins Zentrum zu erwischen (Resultat: Bus fährt komplett in die andere Richtung und man steigt an der nächsten Haltestelle irgendwo im Niemandsland wieder aus).
Auch klimatisch präsentiert sich Shanghai ziemlich anders als unsere vorherige Destination Singapur. Blauer Himmel ist Mangelware, aber nicht etwa weils die ganze Zeit regnet oder schneit wie in der Schweiz, sondern weil Kyoto ein Fremdwort ist für die Chinesen…
Da sich unser Hotel etwas ausserhalb des Zentrums befand gab‘s in der unmittelbaren Umgebung schon einige hübsche Szenen“ China – uncut“ zu bewundern. Gleich um die Ecke gibt’s einen Insektenmarkt wo Käferkämpfe veranstaltet werden. In hunderten kleinen Schalen werden die Käfer feilgeboten. Man sucht sich den fittesten und aggressivsten aus, nimmt an einem der zahlreichen Käferkämpfen teil und verwettet dort sein Geld. Ungefähr so verwundert wie wir die Käfer betrachteten wurden wir selber von allen andern Marktbesuchern begutachtet – wir waren wohl die ersten Weissen nach Marco Polo an diesem Ort und mit unserem ahnungslosen Staunen und der eher kümmerlichen Kenntnis der Landessprache ein guter Grund zu weitverbreiteter Heiterkeit.
Je mehr ins Zentrum man kommt desto moderner und urbaner wird Shanghai jedoch und im „westlichsten“ Quartier, einem Boheme-Viertel, das gut und gerne auch in London oder Paris stehen könnte stand dann am Sonntag unser erstes Konzert auf chinesischem Boden an. Wir spielten die Afterpartyshow des Schanghaier Jazzfestivals im Jz Club, einem richtig schön plüschigen Old School Jazzklub. Das Publikum welches sich sonst wohl eher Bebop und Swing gewohnt ist, war zum Teil wohl ab unserer Bugwelle, die von der Bühne föhnte, leicht verwundert aber wir fanden Afterparty ist Afterparty und eben nicht Cocktaillounge. Nach kurzer Zeit waren die Besucher mit uns einig und trugen ihren Teil zu einem gehörigen Fest bei. Bei einer richtigen Afterparty steigt auch der ganze spielfreudige Rest des Festivals noch ein weiteres Mal auf die Bühne und so featurten wir vom chinesischen Gary Shider über eine ganze Horde MC’s, einer Französischen Scatkanone bis zum Flötenkünstler so ziemlich die ganze Musikerszene die in Shanghai an diesem Abend auf der Gasse war.
Singapur wird nicht zu Unrecht auch die “Schweiz Asiens” genannt, denn es ist wohl die sauberste und strukturierteste Stadt die wir im asiatischen Raum bis jetzt bereist haben. Erstes Anzeichen dafür war die vorgängig zugestellte Post von unserem Singapurer Tourmanager Ben: der „Artist Itinerary“, ein neunseitiges Dokument, aus welchem auf die Minute genau ersichtlich war, wo wir wann und wieso sein müssen. Also in etwa: 1600 Transfer to Venue – 1630 Arrival at Timbre – 1640 Soundcheck – 1715 Band eating – 1900 Linecheck (1 Bandmember) - 2030 1st Set (STARCH) – 2130 Beergames – 2200 2nd Set (STARCH) – 2330 Transfer to Hotel – 2345 Band rest … naja, “rest” wurde dann nicht immer sooo genau genommen, ansonsten klappte alles wie am Schnürchen. Sowas hatten wir natürlich in den letzten Wochen nie zu Gesicht bekommen und auch einen Tourmanager wie Ben zu haben, der immer auf die Minute pünktlich mit Bus und Fahrer bereitstand sowie auf jede Frage eine hilfreiche Antwort hatte, war das pure Wohlfühlprogramm.
Ein weiterer Punkt, in welchem Singapur uns ähnlicher ist als dem Rest Asiens: in dieser Stadt ist so ziemlich alles verboten. Kaugummi oder Zigarette auf den Boden werfen kostet 500 SGD, Nach dem WC-Gang nicht spülen (oder halt ne Sauerei hinterlassen) 1000 SGD, Rauchen in nicht gekennzeichnetem Areal 500 SGD und Sprayereien oder Tags geben direkt Knast… Dass das Tanzen in der Öffentlichkeit ohne Genehmigung verboten sein soll konnten wir dann selber nicht ernst nehmen…
Wir waren ja schon ein bisschen irritiert, als sich herausstellte dass unsere drei Gigs anlässlich des Oktoberfest Specials stattfinden sollten. Womit wir jedoch nicht gerechnet hatten war, dass in Singapur das Oktoberfest die neueste hippe Idee für ein junges Publikum ist. Etwa so wie wenn in der Schweiz deine Lieblingsbar ein Wochenende lang den Karneval von Rio de Janeiro inszenieren würde. Da sassen also wider Erwarten keine europäische Bierbauchtouristen mit Jägermütze an unserem Konzert sondern junge gutgelaunte urbane Asiaten, die Wurstteller vom Grill (jawohl, auch die Weisswürste…), Paulaner vom Fass sowie das Servierpersonal in einer Mischung aus Dirndl und asiatischer Schulmädchenuniform genossen. Beruhigt rockten wir also drei Mal in Serie das Singapurer Oktoberfest und verkauften noch die allerletzten CDs, welche eigentlich als Geschenk für unsere chinesischen Freunde gedacht waren. Doch ohne CDs nach Shanghai zu reisen wäre ja wohl das blödeste gewesen was wir machen könnten und so suchten wir einen Copyshop auf und produzierten nochmals 100 Stück nach. Kopieren ist ja sowieso eine grosse Stärke der Asiaten und so können auch wir davon profitieren.
Da uns die drei Konzerte ein wenig zugesetzt hatten, Singapur uns dann doch ein Bisschen zu gefährlich wurde, da einige von uns absolut prädestiniert wären, in sämtliche der oben beschriebenen Gesetzesfallen zu tappen, und wir bald die anstrengende Chinareise antreten werden, haben wir beschlossen uns an den letzten drei Off-Tagen noch etwas Erholung auf Phuket (Thailand) zu gönnen. Dort wurde dann am Pool ausgespannt, surfen gelernt, mit der Vespa auf der Halbinsel rumgetuckert und einfach die Zeit genossen.
Jetzt heissts in neuer Frische ab nach Shanghai für 6 Gigs in 7 Tagen…
Hier noch das Interview mit toxic.fm vom Flughafen Phuket.
Nach einer weiteren Nacht im Schlafcouché kamen wir morgens um fünf mehr oder weniger ausgeruht in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur an. Da wir immer noch die Schreckensmeldung vom Vortag in den Köpfen hatten ging so manches Stossgebet in den Himmel wenn mal wieder ein derart holpriger Streckenabschnitt anstand, dass es einen fast aus dem Bett geworfen hätte. „Der Kluge reist im Zuge“… doch angenehmer vergeht die Zeit im Fluge, lautet unser neues Credo und darum wird ab jetzt auf unserer Tour nur noch geflogen.
Das Hotelzimmer in Kuala Lumpur konnten wir natürlich erst um zwei Uhr nachmittags beziehen. Ein guter Grund die obligatorische Sightseeing-Tour bereits am Morgen zu absolvieren. Darum ging‘s nach einem ausgiebigen Frühstück beim Inder direkt zu den Petronas-Twin-Towers und dann gleich weiter auf den KL-Tower, wo man einen wunderbaren Blick auf die ganze Stadt mit all ihren riesigen Gartenanlagen, den eher heruntergekommenen Marktvierteln und den alles überragenden Hochhäusern geniessen kann. Nach X Kilometern zu Fuss, in einem der Taxis, die partout nicht mit Taxometer fahren wollten und uns so ständig etwa das Vierfache des eigentlichen Preises abnahmen, oder mit dem Skytrain durch die Gassen und Strassen KLs waren wir sehr froh als wir uns dann am Nachmittag endlich für ein paar Stunden aufs Ohr legen konnten um wieder Energie für das Nachtleben der 2 Mio. Metropole zu sammeln. Kuala Lumpur ist ein kultureller Schmelztiegel. Inder, Chinesen, Thai und natürlich Malay bilden eine multiethnische Gesellschaft. So war dann zu unserer Freude auch das kulinarische Angebot auf der Strasse riesig.
Am Donnerstag hatten wir die Ehre das „Backyard Pub – Jam Fest“ zu eröffnen. Der preisgekrönte Musicclub veranstaltet jedes Jahr ein mehrtägiges Festival an welchem lokale und internationale Musiker auftreten. Nur schon darum gilt das Backyard als „No. 1 Music Club in Kuala Lumpur“.
Der Soundcheck gestaltete sich leider ein wenig schwierig da das Monitorsystem sehr eigenwillig zu sein schien. Mal laut, dann wieder leise und mal kam auch gar kein Ton aus den Boxen. Und das obwohl niemand einen Regler am Mischpult bediente. Naja, wir versuchten es trotzdem.
Zwischen Soundcheck und Konzert waren wir beim 1st Secretary der Schweizer Botschaft in Kuala Lumpur zur Dinnerparty eingeladen. Wir wurden vorzüglich bekocht und konnten interessante Bekanntschaften mit den anwesenden Gästen machen. Mit vollem Bauch und gut gelaunt ging’s mit allen Anwesenden und chauffiert im Diplomatenwagen ins Backyard Pub.
Der Klub war voll und wir rockten bis 1h in die Nacht. Da unsere Performance im proppenvollen Club derart Anklang fand, dass fast jeder eine CD kaufen wollte, sind wir bereits vor unserem Trip nach Singapore und Shanghai ausgeschossen. 200 CDs in Australien und Asien an Konzerten zu verkaufen hätten wir ehrlich gesagt nicht erwartet. Das heisst wohl ab in den nächsten CD-Copy-Shop in Singapore oder Shanghai.
Es wurde mal wieder ca. 3h bis wir schliesslich ins Hotel zurück kamen. Angesichts der Tatsache, dass wir bereits um 6h morgens auschecken mussten um den Flieger nach Singapur zu erwischen, ein Graus. Aber so ist das eben. Tourleben bedeutet nicht dasselbe wie Ferienmachen.
Mit der Billigfluglinie „AirAsia“, von welcher sich EasyJet eine dicke Scheibe abschneiden könnte, ging’s in 50 Minuten nach Singapur wo wir auch gleich von Ben, unserem Tourmanager in Singapur, abgeholt wurden. Obwohl wir nur gerade drei Stunden Schlaf hatten war noch lange nicht Zeit um sich hinzulegen. Simon und Chris konnten gerade mal im Hotel einchecken um sich gleich auf den Weg zum „Singapur Media Center“ zu machen. Es stand ein Interview mit dem englischsprachigen Sender „938 live“ an. Interview gemacht, zurück ins Hotel, Instrumente einpacken und ab zum Soundcheck für den Gig im am Vorabend neu eröffneten „Timbre Mobile“. Dass der Veranstalter uns kurzfristig an ein „Oktoberfest“ umbuchte machte uns zu Beginn ein wenig sauer. Denn wenn wir schon mal auf der anderen Seite der Erde sind kann die OLMA zu Hause bleiben und das Oktoberfest sowieso! Wir wurden also blitzartig in unsere gewohnte Umgebung zurückgeschleudert. Doch als wir dann die hübschen Asiatinnen im Original bayrischen Dirndl sahen war alles wieder vergeben und vergessen. Wenn man sich die blauweissen Erdinger-Fähnchen wegdachte ging’s dann auch. Denn der Club ist OpenAir und direkt am Strand. Also dann: „Aloha – Ozapft is.“